ALLGEMEIN

22 Sep, 2017

«Meine Freundin ist überhaupt kein SVP-Fan»

«Meine Freundin ist überhaupt kein SVP-Fan»

von J. Büchi - Er ist Metzger, kämpft gegen Kopftücher an Schulen und arbeitet eng mit Lukas Reimann zusammen. Nun will Mike Egger für die SVP ins Bundeshaus.

Bildstrecke im Grossformat »

 
 
 
 

1|3
Im Jungpolitiker-Rating von 20 Minuten («Über welche Jungpolitiker würden Sie gerne mehr erfahren?») stimmten die meisten Teilnehmer für Mike Egger.

 
 

 

 
 

Entweder hat Mike Egger eine besonders treue Fangemeinde, oder seine Politik trifft einen Nerv. Vielleicht hat auch sein Wahlvideo eine Rolle gespielt, als er das Jungpolitiker-Rating von 20 Minuten klar für sich entschied. Jedenfalls wollten viele der Umfrage-Teilnehmer mehr über den jungen Nationalratskandidaten erfahren. Wir treffen ihn an seinem Arbeitsort in Bazenheid SG.

«Entschuldigen Sie, falls ich etwas streng rieche, ich komme gerade aus dem Schlachthof», sagt Egger bei der Begrüssung gut gelaunt. Der 23-Jährige trägt die Ärmel seines Hemds hochgekrempelt, optisch könnte er ein Jungschwinger sein. Doch Egger ist gelernter Fleischfachmann, wie zuvor schon sein Vater und sein Grossvater. Nur, dass das damals noch Metzger hiess. Seit der Weiterbildung zum Technischen Kaufmann arbeitet er im Büro eines führenden Fleischproduzenten. Offizielle Berufsbezeichnung: «Newcomer Frischfleisch». Vor dem Treffen führte er gerade eine Gruppe von Lehrlingen durch den Betrieb, deshalb der Abstecher in den Schlachthof.

Kopftuchverbot gefordert

Egger ist ein Mann fürs Grobe. Mit seinen politischen Forderungen sorgt der Präsident der Jungen SVP St. Gallen immer wieder über die Kantonsgrenze hinaus für Schlagzeilen. Im Februar präsentierte er zusammen mit Lukas Reimann einen Forderungskatalog gegen den «radikalen Islam», in dem er unter anderem ein Verbot des Islamischen Zentralrats der Schweiz und ein Kopftuchverbot an Schulen verlangte. In St. Margrethen war er jüngst an der Gründung eines Komitees beteiligt, das sich für die Ausschaffung einer integrationsunwilligen bosnischen Familie einsetzt.

Seine politischen Gegner werfen ihm teilweise vor, es gehe Egger vor allem darum, Stimmung gegen Zuwanderer zu machen. Dagegen wehrt sich der Jungpolitiker vehement – er will sich nicht als Ausländerfeind verstanden wissen. In seiner Firma hätten 54 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Auch in seinem Freundeskreis gebe es mehrere Ausländer. «Ich schätze Leute, die sich integrieren und mitanpacken», betont Egger. «Wir müssen aber endlich damit aufhören, Leute aufzunehmen, die unsere Sozialsysteme ausnutzen und sich nicht an unsere Gesetze halten.» In diesen Fragen brauche es eben eine klare Linie.

Freundin «überhaupt nicht» auf SVP-Linie

Mike Egger spricht, als wäre er bereits ein alter Hase im Politgeschäft. Tatsächlich ist er in seinem zarten Alter bereits seit zehn Jahren politisch aktiv. Seit 2012 sitzt er als jüngstes Mitglied im St. Galler Kantonsrat. Besonders stolz sei er darauf, sich gemeinsam mit seiner Fraktion erfolgreich für die Einführung von Sozialhilfe-Detektiven eingesetzt zu haben, so Egger. Vor seiner Wahl hatte er bereits mit einer Hotline für Furore gesorgt, auf der Bürger Sozialhilfemissbrauch melden konnten.

Aufgewachsen ist Egger mit drei älteren Schwestern in Berneck SG. Von den vieren ist er als einziger politisch aktiv. Auch seine Freundin hat mit der SVP-Politik nichts am Hut. «Also wirklich überhaupt nichts – ich habe sie kennengelernt, weil sie mir die Meinung sagen wollte», lacht Egger. Die politischen Differenzen stellten aber kein Problem dar – mit der Freundin rede er ohnehin lieber über anderes.

Reimanns Schützling

Eggers politischer Partner heisst Lukas Reimann. Der Nationalrat begleitet den Jungpolitiker schon seine ganze politische Karriere lang. Über die Jahre wurden die beiden gute Freunde. Reimann motivierte Egger zur Kantonsratskandidatur, machte ihn zu seinem Sekretär, die beiden waren sogar schon zusammen in den Ferien. Zu Reimanns Wasserträger will Egger aber nicht degradiert werden. «Ich bin ein eigener Politiker mit eigenen Positionen.»

Der wohl grösste Unterschiede zwischen den beiden ist der berufliche Hintergrund: Reimann ist studierter Jurist, Egger sieht sich als klassischen Büezer. Spricht er über seinen Beruf, gerät er ins Schwärmen: «Metzger ist einer der abwechslungsreichsten Berufe: Vom Schlachten über das Wursten bis zum Kundenkontakt ist alles dabei.» Falls er in den Nationalrat gewählt werde, wolle er sich dafür einsetzen, dass die Berufsbildung in der Schweiz gestärkt werde. «Weiterbildungen nach der Lehre sind beispielsweise im Vergleich zu einem Studium sehr teuer, das muss sich ändern.»

Ob Egger vom sechsten Listenplatz aus eine Chance auf einen Nationalratssitz hat, ist offen. Beim Sprung nach Bern soll ihm der eingangs erwähnte Wahlkampf-Song helfen, den ein befreundeter Musiker für ihn geschrieben hat – und der es dank zahlreichen Medienberichten bereits zu einiger Bekanntheit gebracht hat. «Meine Bedingung an Sänger Dominik Baumgartner war, dass der Song nicht ganz so peinlich wird wie jener der FDP Reinach», grinst Egger.

KONTAKT DETAILS

Mike Egger
Kantonsrat
Präsident JSVP SG
Neugass 20
9442 Berneck
Email: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Natel: +41 76 502 15 55
Facebook: Facebook Mike Egger
Auf Karte zeigen

Scroll to Top