Albert Rösti, Thomas Aeschi oder Magdalena Martullo-Blocher: Die bekanntesten Köpfe der SVP tummeln sich in Gossau. Bei Bratwurst und Glühwein spielt aber nicht der Parteipräsident die Hauptrolle.

Es raucht und die Funken stieben. Allerdings ist hier keine hitzige politische Debatte am Laufen. Die vielen Leute, die sich an diesem Abend vor dem Café Kollers in Gossau um die Feuerschalen drängen, sind sich grün – wie das Logo der SVP.

Hitzig ist die Debatte wenn überhaupt im Werk 1, wo sich die Sitzung der Parteileitung in die Länge zieht. SVP-Präsident Albert Rösti lässt deswegen noch auf sich warten. Auf dem Bahnhofplatz ist es hingegen eisig kalt.

Das schreckt Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher, Fraktionspräsident Thomas Aeschi und zahlreiche weitere mehr oder weniger bekannte Exponenten der SVP in Bundesbern nicht ab. Genau wie die gegen 100 Gäste, die sich das Shake-Hands mit der Parteiprominenz nicht entgehen lassen wollen. Viele von ihnen politisieren selber für die SVP, wenn auch auf lokaler und regionaler Ebene. Auch Vertreter anderer Gossauer Parteien schauen auf eine Bratwurst und einen Glühwein vorbei.

Mike Egger kann stimmlich mithalten

Der Grillabend in Gossau ist nur einer in einer ganzen Reihe, die sich «SVP bi de Lüt» nennt, angelehnt an eine Sendung des Schweizer Fernsehens SRF. Doch wenn die Volkspartei bei den Leuten ist, dann braucht sie im Gegensatz zum «Staatssender» keine Tontechniker und Mikrofone. Vielmehr zählt Teamwork: Ein lauter Pfiff vom Gossauer Kantonsrat Benno Koller, dann ein «Ruhe»-Ruf seines Waldkircher Fraktionskollegen Paul Scheiwiller, der sogleich die Gäste begrüssen kann. Danach stellt sich der hohe Besuch selber vor.

Aeschi warnt mit Blick auf den Migrationspakt vor einer «weltweiten Personenfreizügigkeit», Martullo bezeichnet sich im breiten Zürcher Dialekt als Ostschweiz-Vertreterin im Bundeshaus – schliesslich wurde sie als Bündnerin gewählt.

Die Lautstärke schwillt mit Mike Egger nochmals etwas an. Der Neo-Nationalrat und Ständeratskandidat fordert denn auch, dass die Ostschweiz in Bern lauter auftreten müsse. Und dann ist auch schon Parteipräsident Albert Rösti da. Die SVP Schweiz hält am Samstag in Gossau ihre Delegiertenversammlung zum Parteiprogramm ab. Diese Versammlungen nutze man gerne, um sich ein wenig unters Volk zu mischen, sagt Rösti.

«Und die winterlichen Temperaturen mögen wir SVPler ja vertragen.»

Fotos mit Martullo sind gefragt

Dann mischen sich die Bundesparlamentarier unter das Publikum. «Schön, dass ich dich einmal live sehen kann», sagt einer zum Aargauer Nationalrat Andreas Glarner. Albert Rösti spricht währenddessen mit einigen Gossauern über seine Ideen zur Senkung der Gesundheitskosten.

Die mit Abstand grösste Menschentraube bildet sich aber um Magdalena Martullo. Die Tochter von SVP-Übervater Christoph Blocher sagt:

«Mir wird immer wärmer vom Händeschütteln.»

Ihre Handschuhe habe sie in Chur vergessen.

Zum Händeschütteln kommt sie zur Genüge an diesem Abend. Und für unzählige Fotos muss sie posieren. Immerhin dabei bekommt Rösti nochmals einen prominenten Auftritt: Just, als sich ein Teilnehmer beim Parteipräsidenten für dessen Einsatz bedankt, zupft Martullo ihn am Ärmel: «Komm Albert, du musst im Hintergrund ein bisschen gut aussehen.»

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