Junglenker sollen nachts nicht mehr Autofahren oder keine jungen Passagiere mitführen. Diese Ideen stellen Unfallverhüter zur Debatte – und machen den jüngsten Nationalrat Mike Egger (26) wütend. Er will nun Antworten von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (59).

Wer als Neulenker auf die Strasse will, muss einige Hürden nehmen: Nicht nur die Prüfung gilt es zu schaffen, sondern auch eine dreijährige Probezeit zu überstehen. In dieser gilt nicht nur ein striktes Alkoholverbot, auch zwei Weiterbildungskurse müssen die Jungen in dieser Zeit absolvieren. Und wer in der Probezeit Verkehrsdelikte begeht, muss mit verschärften Strafen rechnen – etwa einer Verlängerung der Probezeit oder einem Ausweisentzug.

Höheres Unfallrisiko bei Jungen

Die Härte hat durchaus ihre Gründe: Neulenker zwischen 18 und 24 Jahren sind gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) eine «zentrale Risikogruppe im Strassenverkehr». Gut die Hälfte der Neulenker erleidet einen Unfall, der in den meisten Fällen selbstverschuldet ist. Zwischen 2013 und 2017 wurden jährlich rund 450 junge Erwachsene auf Schweizer Strassen schwer verletzt und 32 gar getötet. 

Zu den wichtigsten Unfallursachen zählt die BFU überhöhte Geschwindigkeit oder mangelhafte Fahrfähigkeit wegen Müdigkeit, Alkohol- oder Drogenkonsums. Aber auch Unaufmerksamkeit und Ablenkung spielen eine Rolle. «Besonders häufig geschehen die Unfälle am Wochenende und nachts, wobei insbesondere männliche Neulenkende eine hohe Belastung aufweisen», so die BFU.

Nachtfahr- und Passagierverbot

Die Unfallverhüter wollen nun Gegensteuer geben. In einem Bericht zur Sicherheit von jungen Erwachsenen im Strassenverkehr schlagen sie verschiedene Massnahmen vor, die geprüft werden sollten.

Zu den Vorschlägen gehört ein Nachtfahrverbot für Neulenker während der Probezeit. Ebenso ein Passagierverbot: Junglenker sollen keine jungen Mitfahrer mitnehmen, da diese das Unfallrisiko erhöhen – etwa weil sie den Fahrer ablenken oder zu gefährlichen Fahrmanövern ermuntern.

Allenfalls sollen Nachtfahrten oder das Mitnehmen von Passagieren nur dann erlaubt sein, wenn eine über 25-jährige Person mit dabei ist. Auch ein auf das Wochenende beschränktes Verbot erachtet die BFU als mögliche Option. 

Egger: «Amoklauf gegen alle Junglenker»

Die BFU-Vorschläge machen SVP-Nationalrat Mike Egger (26, SG) rasend! «Das ist ein Amoklauf gegen alle Junglenker in diesem Land», schimpft er. «Die Jungen werden unter Generalverdacht gestellt und als Gefahr angeschaut, damit werden sie diskriminiert und kriminalisiert», kritisiert Egger. 

Doch puschen sich Junge beim Fahren nicht zu waghalsigen Manövern, um andere zu beeindrucken? «Ich selber habe nie eine derartige Situation erlebt», sagt der aktuell jüngste Nationalrat. «Im Gegenteil: Viele Junge fahren heute viel vorsichtiger als früher.» Die zusätzlichen Sicherheitskurse hätten sich ausbezahlt, räumt er ein. «Mehr braucht es aber nicht.»

Fahrverbot für Männer? Oder bei Schnee?

Bloss, die höheren Unfallzahlen bei Junglenkern lassen sich nicht von der Hand weisen. «Statistisch gesehen stimmt das schon – aber statistisch gesehen könnte man noch allerlei andere Verbote fordern», meint der St. Galler. So gebe es auch bei anderen Personengruppen oder je nach Verkehrsbedingungen erhöhte Unfallrisiken.

«Ebenso gut könnte man ein Fahrverbot für alle Männer verlangen. Oder ein allgemeines Fahrverbot bei Regen oder Schnee», moniert Egger. «Es ärgert mich, dass stets die Jungen als Sündenbock herhalten müssen.»

Bundesrätin Sommaruga muss Antworten liefern

Mit seinem Ärger fährt Egger nun auch im Bundeshaus ein. Von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (59) will er wissen, inwiefern «der gesunde Menschenverstand» bei den BFU-Vorschlägen noch eine Rolle spiele.

Die SP-Bundesrätin soll auch erklären, was sie von der Pauschalisierung der Junglenker «als Gefahr im Strassenverkehr» hält. In der Fragestunde von kommendem Montag wird Sommaruga Red und Antwort stehen müssen.

Für ihn gehe es auch um Grundsätzliches, sagt Egger: «Der staatliche Kontrollwahn schränkt unsere Freiheit immer mehr ein. Das muss endlich mal ein Ende haben.»