Die St.Galler SVP will mit dem 26-jährigen Kantonsrat Mike Egger den freiwerdenden Sitz im Stöckli holen. Damit buhlen vier Parteien um die Nachfolge von Karin Keller-Sutter in der Kleinen Kammer. Die Kräfteverhältnisse sind klar.

Andri Rostetter2.1.2019, 19:31 Uhr

Die Einladung kam ziemlich kurzfristig. Am Neujahrstag, kurz vor 17 Uhr, verschickte Parteisekretärin Esther Friedli eine Mitteilung: Am 2. Januar um 14 Uhr werde die SVP bekanntgeben, wer für die Partei ins Rennen um den freiwerdenden St. Galler Sitz im Ständerat geht. Die Medien wurden ins «Haus der Freiheit» nach Ebnat-Kappel eingeladen, das Restaurant von alt SVP-Nationalrat Toni Brunner und Lebenspartnerin Esther Friedli. Wer davon ausging, der Ort der Medienkonferenz sei ein Hinweis auf die Kandidatur, wurde allerdings getäuscht.

Punkt 14 Uhr begrüsste SVP-Kantonalpräsident Walter Gartmann ein halbes Dutzend Journalisten in einem Hinterzimmer des Gasthauses. An seiner Seite: Esther Friedli – und SVP-Kantonsrat Mike Egger. Und tatsächlich stellte Gartmann nicht Friedli, sondern Egger als Kandidaten für die Ständeratwahlen vor.

Die Parteileitung sei überzeugt, mit Egger den Stimmberechtigten eine Kandidatur zu bieten, «der ihre Anliegen für eine freie und unabhängige Schweiz, gesunde und nachhaltige Staatsfinanzen und eine strikte Asyl- und Migrationspolitik» einbringen könne, sagte Gartmann. Egger selber sagte, er wolle ein «Gegenpol» im Ständerat sein, der die Jungen und das «Büezertum» vertrete – ein Seitenhieb gegen SP-Ständerat Paul Rechsteiner, als langjähriger Gewerkschaftschef oberster Vertreter des von Egger angesprochenen Büezertums.

Gespür für populäre Themen

Egger muss noch durch die Delegiertenversammlung am 9. Januar in Sevelen bestätigt werden. Das dürfte allerdings eine Formsache werden; das Wort der Parteileitung hat in der St.Galler SVP Gewicht. Herrscht zwischen Präsidium und «Haus der Freiheit» Einigkeit, ist kaum mit nennenswerter Gegenwehr von der Basis zu rechnen. Innerhalb der Partei ist Egger zwar kein Schwergewicht, gilt aber als talentierter Jungpolitiker mit einem Gespür für populäre Themen. Das Ja des St. Galler Stimmvolks zum Verhüllungsverbot im September 2018 ist zu einem grossen Teil das Verdienst des Rheintalers, der sich an vorderster Front für die Vorlage einsetzte.

Egger gelang bereits als 19-Jähriger der Sprung in den Kantonsrat, demnächst vertritt er die Partei auch im Nationalrat. Bei den nationalen Wahlen 2015 verpasste er den Einzug ins eidgenössische Parlament um nur 600 Stimmen und landete auf dem ersten Ersatzplatz hinter Barbara Keller-Inhelder. Jetzt erbte er den Sitz von Toni Brunner, der Ende 2018 nach 23 Jahren im Bundeshaus zurücktrat.

Dass Egger nun auch noch Ständeratskandidat ist, kam offenbar auch für ihn selber überraschend. Die Parteileitung sei auf ihn zugekommen, er habe «keine Minuten daran gedacht, dass das ein Thema sein könnte». Der Bernecker wird sich damit auf zwei Wahlkämpfe im 2019 einstellen müssen: Bei einer Nichtwahl am 10. März werde er bei den regulären Ständeratswahlen am 20. Oktober erneut antreten, sagt Parteipräsident Gartmann. «Mike Egger ist unsere Kandidatur für jetzt und auch für den Herbst.»

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