Im Kanton St. Gallen soll es auch künftig an allen neun heutigen Spitalstandorten eine Notfallversorgung geben. Die SVP lanciert dazu im Herbst eine Initiative.

Im Jahresdurchschnitt sucht ein Patient pro Nacht den Notfall am Spital Wattwil auf. Diese Rechnung gehe unternehmerisch nie und nimmer auf, hatte Felix Sennhauser, Präsident des Spitalverwaltungsrats, vergangenes Jahr im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Nun setzt die St. Galler SVP exakt bei den Notfallstationen an: Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung müssten bei der künftigen Spitallandschaft berücksichtigt werden. Und dazu gehöre eine umfassende Notfallversorgung an den heutigen Spitalstandorten. Es gehe nicht an, diese «einfach an die Hausärzte zu delegieren».

So argumentierte die Parteispitze gestern vor den Medien. Und kündigte eine Initiative an, die eine «dezentrale, stationäre Notfallversorgung an allen heutigen Spitalstandorten» verlangt. Das Anliegen überrascht. Insbesondere aus dieser Küche, hatte die SVP doch vor den millionenschweren Spitalabstimmungen 2014 einzelne Standorte in Frage gestellt und etwa für ein neues Zentrumsspital im Rheintal plädiert.

«Wir können uns das leisten» Walter Gartmann, Präsident der St.Galler SVP.«Unsere Haltung hat sich nicht grundlegend geändert», sagt Parteipräsident Walter Gartmann. Sie seien nach wie vor überzeugt, dass «eine Zementierung» sämtlicher, heutiger Angebote nicht zukunftsgerichtet sei. Für die SVP stünde die Qualität der Leistungen «zuoberst». Die St. Gallerinnen und St. Galler hätten ein Anrecht auf «eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung». Um diese sichern zu können, sei die Konzentration der spezialisierten Medizin, inklusive Chirurgie, an nur wenigen Standorten unabdingbar. Gartmann erwähnt etwa onkologische Behandlungen – «da müssen Patienten und Angehörige längere Wege in Kauf nehmen».

Steht dies nicht im Widerspruch zur Forderung einer stationären 24-Stunden-Notfallversorgung an allen heutigen Spitalstandorten im Kanton? «Wir müssen und können uns eine dezentrale, rasch erreichbare Notfallversorgung leisten», sagt Gartmann, der auch die Spitalkommission des Kantonsparlaments präsidiert. Erwin Böhi, Kantonsrat und Präsident der parteiinternen Fachkommission Gesundheit, ergänzt: Die Behandlung im klinischen Notfallbetrieb eines Spital sei «ganz klar ein Vorteil» gegenüber der Versorgung in der Praxis eines Hausarztes. Konkrete Forderungen noch offen Wie die grossen Notfallstationen an den einzelne Standorten sein sollen, lässt die Partei offen. Weder hat sie eine konkrete Vorstellung wie die geforderte, minimale Bettenabteilung ausgestattet sein soll, noch wie viel Personal für die Versorgung rund um die Uhr notwendig sein wird. Die Initiative lasse bewusst offen, wie die Notfallabteilungen organisiert werden müssten. «Wir wollen den Experten nicht dreinfunken», sagt Böhi. Ihr Anliegen sei einzig, eine «strategische Richtung» vorzugeben. Die aktuelle Diskussion über die St. Galler Spitallandschaft sei «verfahren», sagt Gartmann. Die SVP wolle einen «konstruktiven Beitrag» zu deren Neugestaltung leisten. «Daher nehmen wir die Sache in die Hand.»

Derzeit läuft die Vorprüfung der Initiative. Dem Co-Präsidium gehören neben Gartmann und Böhi auch Nationalrat Mike Egger sowie Kantonsrat und Jungparteipräsident Sascha Schmid an. Sammelstart wird im Herbst sein. Die Partei hat danach fünf Monate Zeit, die notwendigen 4000 Unterschriften zusammen zu tragen.