Kurz vor der Ständerats-Ersatzwahl in St.Gallen ist Mike Egger bereits in Bern vereidigt: Als Nachfolger von Toni Brunner im Nationalrat. Er übernimmt auch einen Kommissionssitz seines Vorgängers – trotz Konkurrenz. 
Adrian Vögele4.3.2019, 15:04 Uhr

Mike Egger (rechts) leistet den Amtseid am ersten Tag der Frühlingssession, gemeinsam mit Matthias Bregy (CVP/VS). (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

Als Mike Egger am Montagmorgen das Bundeshaus betritt, fegt ein Sturm über die Stadt. «Das passt doch», sagt er und lacht. Er wolle hier als Nationalrat «Vollgas geben», und zwar vom ersten Tag an. Egger rückt für den zurückgetretenen Toni Brunner nach. Und ist zugleich Kandidat der SVP in der St. Galler Ständerats-Ersatzwahl am Sonntag. Da kommt einem, gerade bei diesem Wetter, der «Sturm aufs Stöckli» in den Sinn, den die SVP im Wahljahr 2011 ausrief– und scheiterte: die Partei rutschte von sieben auf fünf Mandate ab, bis heute ist die Zahl unverändert. Dennoch: Egger sieht dem Urnengang hoffnungsvoll entgegen. «Es wird eine spannende Woche.»WERBUNGinRead invented by Teads

Eben noch war er an der Fasnacht im Rheintal, wurde auch selber in einer Schnitzelbank in Berneck behandelt, in Wort und Bild. «Am Sonntag habe ich den Helgen abgeholt, dann stand noch ein geschäftlicher Termin an.» Spätabends schliesslich reiste Egger mit dem Zug nach Bern, wo er im Hotel Ibis wohnt – «nicht luxuriös, sondern ganz normal». Für seine Begleiterinnen und Begleiter – zwischen 20 und 30 Personen, inklusive Gemeindepräsident – hat er einen Car organisiert, und einen Apéro am Montagmittag in Bern.

«In der Fraktion hiess es: Du bisch zum Schaffe do»

Schon am Montagmorgen wurde Egger mit Instruktionen und Dokumenten eingedeckt – «viel Papier». Ein unbekanntes Pflaster ist das Bundeshaus für ihn jedoch nicht. Zeitweise war er hier als persönlicher Mitarbeiter von Parteikollege Lukas Reimann unterwegs. Die Fraktionskollegen hat Egger ebenfalls schon am Morgen getroffen. «Sie haben mich freundlich aufgenommen.» Zurückhaltung sei ihm nicht empfohlen worden. Im Gegenteil. «Du bisch zum Schaffe do, hiess es – das ist ganz in meinem Sinn.» So darf Egger gleich den Sitz von Toni Brunner in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie übernehmen. «Dabei gab es mehrere Bewerber.» Hat da wohl der Vorgänger noch ein gutes Wort eingelegt? «Ich denke schon, dass sich Toni Brunner für mich eingesetzt hat», antwortet Egger schmunzelnd. Allerdings sei mit der Ehre auch viel Knochenarbeit verbunden: Schon in den vergangenen Wochen bereitete sich Egger auf sein Mandat in Bundesbern vor, insbesondere auf die Arbeit in der Kommission.

Arbeitspensum reduziert

Sein Pensum beim Fleischverarbeiter Micarna in Bazenheid hat Egger reduziert. «Wie ich von Bundesparlamentariern gehört habe, entspricht der Zeitaufwand als Nationalrat etwa einem 60-Prozent-Pensum.» Das Amt in Bern habe für ihn momentan höchste Priorität. Dennoch sei wichtig, in der Wirtschaft aktiv zu bleiben, um als Politiker mitzubekommen, «wo die Herausforderungen sind».

«Jung und tough» sei Egger, sagt sein Sitznachbar im Nationalrat, der Rorschacher Stadtpräsident Thomas Müller. «Er erinnert mich schon jetzt stark an Toni Brunner.» Das sei gut so. «Wir haben bereits genug Etablierte im Parlament.»WERBUNGinRead invented by Teads

So jung wie damals Toni Brunner, der mit 21 den Sprung nach Bern schaffte, ist Egger mit seinen 26 Jahren zwar nicht mehr. Den Titel des jüngsten Mitglieds im Parlament verpasst er dennoch nur knapp. Die jüngste Nationalrätin, Samira Marti (SP/BL), ist 25.

Hoffen auf den Umzug nach nebenan

Hat Egger keine Angst, im Bundeshaus schräg angeschaut zu werden, weil er sich nach der ersten Woche im Nationalrat bereits für den Ständerat zur Wahl stellt? Er winkt ab. «Wäre doch noch schöner, wenn ich gleich in die kleine Kammer zügeln könnte!» Ständerat hin oder her: Am Nachmittag, nach der Vereidigung im Nationalrat, strahlt Egger übers ganze Gesicht. Ein «Flash» sei der Amtseid gewesen, ein richtiger Gänsehaut-Moment. «Ich freue mich wahnsinnig darüber, jetzt im Nationalrat für die Bevölkerung der Schweiz politisieren zu dürfen und die Zukunft dieses Landes aktiv mitzugestalten.» Dass die Zeit bis zu den nationalen Wahlen im Herbst kurz ist, dessen ist sich Egger bewusst. Der Gedanke an die Wiederwahl belastet ihn aber nicht. «Entweder, die Bevölkerung des Kantons St. Gallen bestätigt mich im Amt und möchte mehr von meiner Politik in Bern – oder eben nicht, das ist Demokratie.»