Ständeratswahl: Der Wahlkreis Toggenburg tickt anders als der Kanton St.Gallen. Diesen Schluss legen die Resultate der Ständeratswahl nahe. In der Region hätte es Benedikt Würth nur knapp für den Sieg gereicht.

Ruben Schönenberger ruben.schoenenberger@ toggenburgmedien.ch

Es war ein deutlicher Sieg, den Benedikt Würth (CVP) am Sonntag feiern durfte. Über 50 000 St.Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wählten den Regierungsrat zum Nachfolger von Karin Keller-Sutter im Ständerat. Das entspricht rund 41 Prozent der gültigen Stimmen. Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) und Mike Egger (SVP) blieben mit knapp 30 beziehungsweise rund 22 Prozent klar auf den hinteren Plätzen.

Egger im Toggenburg fast siegreich Anders präsentieren sich die Resultate im Wahlkreis Toggenburg. Hier kam Würth nur auf 32,73 Prozent der Stimmen. Herausforderer Egger hätte ihn fast überholt, er kam auf 31,21 Prozent. Über das gute Abschneiden im Toggenburg freut sich Egger. Er führt dieses vor allem auf seine Verwurzelung in der Region zurück. «Ich arbeite im Toggenburg, bin in der Freizeit oft da, kenne einige Leute und war natürlich auch im Wahlkampf sehr präsent», sagt der SVP-Politiker. Dazu komme, dass das Toggenburg eine bürgerliche Politik bevorzuge und im Vergleich andere Akzente setze. «Die Region hat vielleicht gemerkt, dass sie in Bezug auf Infrastrukturprojekte von den bisherigen Ständeräten nicht so gut vertreten wurde», sagt er. Auch Mirco Gerig ist der Ansicht, dass Egger die Probleme der Landregion Toggenburg besser kennt. Der Parteipräsident der SVP zeigt sich zufrieden mit dem Toggenburger Resultat. «Mike Egger ist ein Büezer und steht für Büezer ein», sagt er. Das sei ein anderes Profil als bei Würth oder Vincenz-Stauffacher. Zudem habe die Abstimmung über die Waffenrichtlinie der SVP sicher geholfen. Die SVP habe bei dieser als einzige Partei die Nein- Parole gefasst. In der Tat zeigt sich: In drei der vier Toggenburger Gemeinden, in denen Egger das beste Resultat der Kandierenden macht, wurde auch die Waffenrichtlinie abgelehnt.

Auch die FDP ist zufrieden Nicht nur bei der Toggenburger SVP ist man erfreut über das Abschneiden im Thur- und Neckertal. Auch die FDP-Kreispartei zeigt sich zufrieden mit dem regionalen Resultat. «Wir haben deutlich mehr Stimmen geholt als unser Wählerpotenzial eigentlich ist», sagt Parteipräsident Simon Seelhofer in Bezug auf die Resultate der letzten Parlamentswahlen. Vincenz-Stauffacher schneidet denn im Wahlkreis Toggenburg mit 28,9 Prozent auch praktisch gleich gut ab wie im Gesamtkanton. Der Unterschied beträgt nicht einmal einen Prozentpunkt. «In drei Gemeinden im Toggenburg holt sie das beste Resultat der Kandidierenden », sagt Seelhofer. «Das spricht für sie.» Zu diesen Gemeinden gehört das Städtli Lichtensteig, wo Vincenz-Stauffacher 36,4 Prozent der Stimmen holt. Nur in Gaiserwald und St.Gallen schneidet sie besser ab. «Wir haben in Lichtensteig oft gute Resultate erzielt», sagt Seelhofer. «Und das ohne eigene Ortspartei. Vielleicht würde sogar noch mehr drinliegen», mutmasst er. Dass die FDP-Politikerin in Wildhaus- Alt St.Johann und Wattwil ebenfalls die beste der Kandidierenden ist, führt er auf die Verwurzelung von Vincenz-Stauffacher zurück. In Wattwil ist sie geboren und in Wildhaus hat sie ein Ferienhaus, wo sie immer wieder ist. Auch Vincenz-Stauffacher selbst sieht das so. «In Wildhaus kennt man mich persönlich, weil wir dort sehr präsent sind», sagt die FDP-Politikerin. Man habe sie so sicher besser einordnen können. Und vielleicht habe auch ihre Präsenz an der Toggenburger Messe (TOM) geholfen. «Die TOM hat mir sehr gut gefallen», sagt sie, die deshalb statt des eigentlich geplanten einzelnen Einsatzes gleich noch einen zweiten Tag nach Wattwil kam. CVP-Vormacht im Alttoggenburg Schlechter schneidet die FDPKandidatin im ehemaligen Bezirk Alttoggenburg ab. Fast überall macht sie das schlechteste Resultat der drei Hauptkandidierenden. Nur in Lütisburg verdrängt sie Egger auf diesen dritten Platz. Auf dem ersten Platz liegt dort – wie auch in Kirchberg, Bütschwil- Ganterschwil, Mosnang und Oberhelfenschwil – Benedikt Würth. Die CVP scheint die Vormachtstellung in diesen Gemeinden also bewahren zu können, auch wenn sie sich beispielsweise in Kirchberg mittlerweile einer starken FDP-Konkurrenz gegenübersieht, die aktuell sowohl den Gemeinde- als auch den Schulratspräsidenten stellt. Vincenz-Stauffacher sieht denn ihr vergleichsweise schlechtes Abschneiden in diesen Gemeinden auch darin begründet. «Es war dort wohl eher eine Wahl Pro Würth als Contra Vincenz- Stauffacher.» Insgesamt zeigt sie sich sehr zufrieden mit dem Resultat. Sie hätte sich zwar erhofft, im Toggenburg noch etwas besser abzuschneiden, weil ihr die Region am Herzen liege. Alles in allem überwiege aber die Freude und der Stolz. Spielte das Spital Wattwil eine Rolle? Für Benedikt Würth ist das im Vergleich schlechtere Abschneiden im Wahlkreis Toggenburg kein Grund für Unzufriedenheit. Er stelle erfreut fest, dass er auch im Wahlkreis Toggenburg das beste Ergebnis habe erzielen können. Dass er in einzelnen Gemeinden nicht vorne gelegen habe, habe verschiedene Ursachen. «Einerseits hat es in diesen Gemeinden ein Vertreter der CVP traditionell schwer, zum andern ist es denkbar, dass die Spital-Diskussionen einen Einfluss hatten», sagt der Wahlsieger. «Ich habe immer gesagt, dass ich meinen Betrieb als Regierungsrat wegen des Wahlkampfs nicht einstelle. Und als Regierungsrat muss man auch Unangenehmes ansprechen», sagt Würth weiter. Das gehöre zur Regierungsverantwortung und die werde er bis zum Ausscheiden wahrnehmen. Neben den drei aussichtsreichsten Kandidierenden trat auch Andreas Graf zum zweiten Wahlgang an. Er holte insgesamt 8113 Stimmen, das entspricht rund 6,6 Prozent. 467 Stimmen gingen zudem an Vereinzelte.