Neo-Nationalrat Mike Egger: «Ich habe beim Raclette erfahren, dass ich für Toni Brunner nachrücke.

Der 26-jährige Rheintaler Mike Egger rückt für Toni Brunner in den Nationalrat nach. Der SVP-Kantonsrat sagt im Interview, wie er in Bern politisieren will und erklärt, dass er von Brunners Rücktritt überrascht wurde.
Christof Krapf
Von der Pfalz ins Bundeshaus: Ab 2019 politisiert Mike Egger in Bern. (Bild: Regina Kühne)
Von der Pfalz ins Bundeshaus: Ab 2019 politisiert Mike Egger in Bern.

 

Mike Egger, wann haben Sie erfahren, dass sie Nationalrat werden?

Ich sass am Freitagabend mit Kollegen beim Raclette. Ein guter Freund sagte plötzlich: «Mike, ich glaube du wirst Nationalrat». Ich glaubte an einen Scherz, bis er mir die Push-Nachrichten von verschiedenen Medien auf seinem Handy zeigte.

Dann wurde es eine lange Nacht?

Ja, aber nicht, weil wir ewig lang im Ausgang waren. Ich habe vielleicht zwei Stunden geschlafen. Mir sind viele Sachen durch den Kopf gegangen und ich habe mich wahnsinnig gefreut. In solchen Momenten fühlt man sich, als hätte man 40 Espressi getrunken.

Toni Brunner politisierte über 20 Jahre im Nationalrat, war SVP-Präsident und gilt als Schwergewicht. Wie gross ist Ihr Respekt vor dem neuen Amt?

Natürlich habe ich Respekt vor dieser Aufgabe – dieser muss auch vorhanden sein. Ich will diese Herausforderung annehmen und hart arbeiten. Ich freue mich darauf, dass ich meine politischen Visionen einbringen kann. Toni Brunner hat im Bundeshaus viel für die Ostschweiz ausgerichtet, diesen Weg will ich weitergehen. Klar ist aber, dass er ein Aushängeschild war. Ich kenne ihn schon lange und er hat mich politisch immer unterstützt und gefördert. Ich werde aber kein Toni Brunner 2.0 werden.

Wie wollen Sie sich konkret für die Ostschweiz einsetzen?

Das wird vor allem in Fragen der Standortförderung und bei Investitionsprojekten der Fall sein. Bei diesen Themen müssen wir in der Ostschweiz vorwärtsmachen. Unsere Region verkauft sich vielleicht manchmal unter ihrem Wert. Dazu gibt es aber keinen Grund. Das Rheintal ist ein gutes Beispiel für die Ostschweizer Wirtschafts- und Innovationskraft.

Worauf freuen Sie sich im Bundeshaus am meisten?

Nun kann ich bei Themen mitdiskutieren und entscheiden, die nur auf nationaler Ebene stattfinden. Ich werde das aus Sicht eines jungen Nationalrates machen und kann sicher vieles dazulernen. Auf einen Bauer (Toni Brunner, die Red.) folgt nun mit mir ein Büezer. Wir sind beide bodenständige Personen. Für genau solche Leute möchte ich mich einsetzen.

Welches werden Ihre Kernthemen sein?

Wie im St.Galler Kantonsrat will ich mich auch in Bern für eine Verschärfung des Strafrechts einsetzen. Mord darf beispielsweise nicht mehr verjähren. Auch bei den stetig steigenden Gesundheitskosten muss die Politik handeln. Diese Themen brennen der Bevölkerung unter den Nägeln.

Im kommenden Jahr wird der Nationalrat neu gewählt. Wie gross sind Ihre Wahlchancen?

Das kann ich nicht beurteilen. Am Ende entscheidet die St.Galler Bevölkerung. Ich will meinen Job so gut wie möglich machen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Getreu dem Zitat von George Orwell: «Freiheit ist die Freiheit den Leute zu sagen, was sie nicht hören wollen.»

Ihr Berner Parteikollege Thomas Fuchs rückte einst ebenfalls in den Nationalrat nach, wurde aber ein halbes Jahr später nicht wiedergewählt. Haben Sie Angst, dass es Ihnen ähnlich ergehen könnte?

Wie bereits erwähnt, entscheidet das die St.Galler Bevölkerung. Ich würde mich aber freuen, wenn ich im Herbst 2019 die Chance erhalten würde, nochmals vier Jahre im Nationalrat zu sitzen.

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